Mein Name ist Hase und ich weiß (manchmal) nichts!

Mein Name ist Hase, und ich weiß (manchmal) nichts!

(aktualisiert 6/2026)
Bewusstes oder unbewusstes Nicht-Wissen gehört einfach zum Leben dazu. Der Ausspruch „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!“ hat manchen schon gerettet. Ist Nicht-Wissen peinlich oder praktisch? Ist Halbwissen gut oder gefährlich? Und was ist mit Wissen: Weiß ich viel, wirke ich entweder als Expertin oder als sehr hochnäsig … So etwas Vertracktes aber auch! 😉 Als Autorin und Texterin ist das Nicht-Wissen eines meiner mächtigsten Tools, wenn ich mich im Recherche-Modus befinde. Im Privaten finde ich Wissen in manchen Bereichen lebensnotwendig, doch dazu später. Ob beruflich oder privat: Meist beende ich meine Recherche oder (spirituelle) Reise in dem Wissen, dass ich so vieles noch nicht weiß. 

Anlass für diesen Blogartikel war übrigens die Blogparade #NichtWissen „Mein Name ist Hase“ von Susanne Wagner. Welche Facetten hat das ganze, fragt sie. Gut, hier kommt mein persönlicher Weg zum Thema „Hasen und die Welt des Nicht-Wissens“!

Was ist Wissen überhaupt?

 Ist vermeintliches Wissen vielleicht nur ein winzigkleiner Ausschnitt aus dem absoluten Wissen, und gibt es das überhaupt? Verbreiten wir etwas als Wissen, indem wir nur ungeprüft in die Welt hinausschreien, was wir für selbstverständlich halten?

„Ich weiß, dass ich nichts weiß!“
(Nicht wirklich von Sokrates) – Ich liebe dieses Zitat!

Diesen Satz sagt angeblich Sokrates, sagt Platon. 😉 Egal wer, mit dieser Aussage wird in der klassischen Philosophie hinterfragt, was man zu wissen glaubt. Ich finde diesen Satz sehr treffend, weil er die ewige Debatte um Wissen, Nicht-Wissen und Halbwissen kurz und knackig umreißt: Es kommt einfach nicht darauf an! Viel wichtiger ist, wie wir mit dem Thema Wissen umgehen und wozu wir es nutzen. Ich habe meinen ganz persönlichen Umgang mit Wissen, Nichtwissen, Halbwissen, Nerdwissen 😀 usw. gefunden. Das siehst du auch, wenn du auf diesen Link klickst.

Nicht-Wissen – mein praktisches Tool

„Mein Name ist Hase, und ich weiß von nichts“, sage ich persönlich immer dann, wenn ich ganz viel über ein Thema herausfinden möchte. Würde ich da bei einer Expertin oder Experten irgendwas Halbgewusstes vorausplappern, bekäme ich bestimmt nicht so gute ungefilterten Antworten von meinem Gegenüber als ohne. Nicht-Wissen eignet sich also hervorragend, um an Informationen zu kommen.

Aktuelles Beispiel aus meinem Autorinnen-Alltag:

Meine Nachbargemeinde beauftragte mich 2024 für einen Bericht aus dem Rathaus über das verheerende Juni-Hochwasser. Hintergrund war, dass nicht alles optimal gelaufen war, die Gemeinde jedoch Schlimmeres verhinderte. Nur wurde das leider von der Öffentlichkeit ganz anders gesehen. So hieß es, die Gemeinde sei schuld an tagelang vollgelaufenen Kellern, der Bürgermeister habe sich nicht gekümmert usw. Auf Social-Media wurden sogar Fake-News über kontaminiertes Grundwasser verbreitet und allgemein machten wilde Gerüchte über die Unzulänglichkeiten des Rathauses die Runde. Schlimm für alle, die sich den A… abgemüht hatten, damit die Gemeinde heil davonkam. Ich wohne im Nachbarort, hatte also durchaus Einblick in das Thema. Vor meine Auftraggeber stellte ich mich jedoch unwissend, denn sie sollten mir ohne Vorbehalte alles erzählen.

 „Mal für mich zum Verständnis“, fragte ich: „Was ist denn genau passiert und wann? Wie sind eure Abläufe? Und was ist in euren Augen gut, und was ist nicht gut gelaufen?“

Psst, ich „Fuchs“ durfte 2017 das neue Wasserwerk besichtigen und wusste also schon mehr über die Trinkwasserversorgung vor Ort. Das kam mir natürlich jetzt beim Interview im Rathaus zugute. – Foto 1: draußen vor dem Wasserwerk. Foto 2: im Wasserwerk am Hochbehälter.

Das Rathaus schickte mir einen sehr genauen Ablaufplan, der die Tage des Hochwassers im Mai/Juni 2024 in der Gemeinde dokumentierte. So einen guten Input hatte ich nicht erwartet und beschloss spontan, aus dem Ablaufplan eine Art „Hochwasser-Tagebuch“ zu schreiben. Alle weiterführenden Informationen lagerte ich dann in einen zweiten Artikel „Aktueller Stand“ aus. Das Hochwasser-Tagebuch gliederte ich in Tage und Uhrzeiten, den aktuellen Stand noch in drei Unterthemen. Beides sei sehr spannend zu lesen, bekam ich als Rückmeldung. 

Wer die „Hochwasser-Artikel“ nachlesen möchte, hier:

Was auf die Hochwasser-Artikel folgte:

Es gab Kommentare auf Social-Media und der Bürgermeister wurde beglückwünscht. Hier ein Kommentar auf Facebook:

„Sehr lesenswert, die haben das in Kissing sehr gut erklärt, auch alle Ursachen ungeschönt erläutert“ (Johanna P.)

Fazit: Nicht-Wissen kann auch schützen!

Nicht-Wissen schützt vor Überheblichkeit (Hybris) und sorgt dafür, dass du ungefilterte Informationen bekommst. Für richtig gute Texte sind ungeschönte Insider-Infos besonders wertvoll. Mein ergänzendes Wissen über ein Thema kann ich immer noch später hinzufügen, aber nur wenn es passt.

Braucht die Welt mehr Nicht-Wissende?

Nicht-Wissen im Sinne von Hinterfragen bevor ich mein Wissen preisgebe, finde ich sehr wichtig. Nicht gut ist es, wenn ich mein Nicht- oder Halb-Wissen als unumstößliches Wissen verkaufe, denn genau das schafft ja momentan (wieder) so viele Fake-News!

Nicht-Wissen, Halbwissen oder Wissen – was ist schlimmer? Ich, als Königin des Halbwissens, kann nur vermuten, dass ich auf Einladungen mit meinem „Senf“ zu so gut wie jedem Thema, manchmal auf die Nerven gehe. Das ist aber auch schlimm mit uns Texterinnen! Andererseits sorge ich für anregende Gespräche, weil uns nie der Gesprächsstoff ausgeht. Momentan spreche ich gerne über Wasser, sowas aber auch!

Meine Meinung? Wir brauchen mal mehr Wissende, mal mehr Nicht-Wissende auf der Welt. Damit leite ich zum persönlichen Teil über: 

Auf welches Wissen im Alltag kann ich gerne verzichten?

Ich weiß, es gibt keine dummen Fragen, aber manchmal … da komme ich ins Zweifeln.  Gerne verzichten kann ich auf bestimmte Fragen auf Social-Media. Damit meine ich nicht wirkliche Fragen, sondern dieses hirnlose Posten um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Zum Beispiel: In der Facebook-Gruppe meiner Gemeinde wird regelmäßig gefragt, wo man hier in unserem (kleinen, überschaubaren) Ort ausgehen kann, einen Bäcker, Werkstatt, Friseur findet oder … (Suchfaulheit). Besonders oft wird gefragt, „Wer weiß, woher diese Musik herkommt? Es ist nach 22 Uhr!“, „Guck mal, da hat ein Hund hingesch…!“ (Beschwerde-Lust) und dann noch „Wer weiß, warum der Rettungshubschrauber über uns kreist?“ (Sensationsgier). Es wird noch nicht einmal die Suchfunktion in der Gruppe bemüht, denn solche Sensationsfragen werden meist mehrfach gestellt und auch noch beantwortet. Irgendjemand wird schon antworten (passiert leider fast immer). Mit Posts, die nur Aufmerksamkeit wollen, müllen wir das Internet zu – meine Meinung!

„Heb deinen A…, geh hinaus in die echte Welt, feiere mit und entdecke den Ort, in dem du lebst mit eigenen Augen!“, möchte ich unreflektiert Postenden laut zurufen. Doch ich bin dann ganz still und weiß von nichts.

Das ist dann mein Nicht-Wissen als Schutzfunktion (nicht aufregen!) und Erziehungsmethode (werde selbst aktiv)! 😉

Wann ist Nicht-Wissen gefährlich?

Vor allem das Wissen über mich selbst finde ich äußerst wichtig, ja sogar lebensnotwendig. Je mehr ich über meinen eigenen Körper, Geist und Seele weiß, desto besser für mein Wohlbefinden und (!) für das meiner Mitmenschen. Denn je mehr ich mit mir selbst im Reinen bin, desto ausgeglichener bin ich im Außen. Ich kann zu mir selbst persönlich nicht genug wissen, gehöre daher – je nach Arzt – zum Typ „wissbegierige Patientin, die mit Halbwissen glänzt“ oder „nervende Patientin, die zu viel hinterfragt“. Ich möchte euch nicht mit meinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen zum Thema Gesundheit langweilen, verweise daher auf zwei Blogartikel meiner Blogger-Kolleginnen und Expertinnen zum Thema Gesundheit:

  1. Andrea Beerbaum: Braucht die Welt mehr (Nicht-)Wissen? – Nein!Andrea schreibt in ihrem letzten Absatz ihres Blogbeitrags über den Wert eines mündigen Patienten für sich selbst und für die Ärzteschaft. Kann ich voll unterstreichen. 
  2. Susanne Wagner: 5 selbstermächtigende Kraftquellen aus dem #NichtWissenSusanne ermutigt dazu, den Verstand auszuschalten (sprich: das Wissen), wenn man etwas auf den Grund gehen will. – Auch das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, würde aber hier Nicht-Wissen eher als Urvertrauen bezeichnen. 

Ist „mein Name ist Hase“ gut oder nicht? Ein Fazit

Wissen ist Macht, Nicht-Wissen auch und Halbwissen ist auch Wissen, denn wer kann schon von sich behaupten, dass er oder sie alles zu (s)einem Thema weiß? 🙂

Pssst, nicht weitersagen: Meine Schwiegermama, die ich sehr schätze, habe ich einige Jahre erwischt, dass sie zu Hause konsequent ihre Hörgeräte ablegte. Damit schützte sie sich vor den andauernden Stammtischparolen ihres Partners, der bei laut gestelltem TV-Gerät so gerne schimpfte. – Meine Schwiegermutter ist also eine echte Nicht-Wissens-Expertin!

Storytelling lernen!

Raus aus dem Alltagstrott, hinein in cooles, eigenes Storytelling!

Für individuelle Workshops, Seminare und Schreibwerkstätten komme ich zu dir. In der Kleingruppe (9-13 Personen) probieren wir ganz viel aus und trainieren unseren „Erzählmuskel“.

Lust auf bewegende Storytelling-Trainings mit Strategie und Spaß? Passend zu dir?

5 Kommentare zu „Mein Name ist Hase, und ich weiß (manchmal) nichts!“

  1. Schön geschrieben, liebe Manuela! Mir gefällt, deine Offenheit für alle Seiten. Man hört deine ernste Gewissenhaftigkeit heraus und ebenso deine spielerische Leichtigkeit zum Thema.
    Liebe Grüße Marianne

  2. Liebe Manuela
    Vielen Dank fürs Mitschreiben bei meiner Blogparade zum #NichtWissen und erst noch Verlinken der bisherigen Beiträge, das freut mich!

    Der «Gemeintipp» mit den Hörgeräten ist in meinem Umfeld auch bekannt. Oder die Batterie ist halt einfach dummerweise plötzlich leer, wenn ungebetener Besuch kommt.

    Meinen «Hasenpelz» lege ich auch öfters um, wenn ich wirklich wissen will, wie etwas funktioniert. Dann spitze ich die Hasenohren und nutze, wie so schön von dir beschrieben, die das Füchslein-Tool der Schlauheit, sich unwissend zu stellen.

    Ich finde auch, bei so schweren und weltbewegend ernsten Themen, darf (muss!) ein Augenzwinkern mit drin sein. Sehr gern gelesen, wie du «mein» Thema umgesetzt hast.

    Coolen Blogparaden-Sommer wünscht dir
    Susanne

    P.S. Verwehrst du mir echt das «Wie du mir, so ich dir»? Ich finde deinen Blogparaden-Aufruf (immer noch) nicht.

    1. Liebe Susanne,
      ich muss dir danken: für deine Blogparade. Dein „Hasen-„-Thema fand ich sehr wichtig zu verbloggen, gerade als Storytella. Denn Geschichten sind ja nichts anderes als Wahrheiten in einer schönen Verpackung oder in einem leckeren Teigmantel: Auch Ernstes darf schön aussehen, gut schmecken und dadurch nachhaltig verinnerlicht werden. Daher setze ich mich im 21. Jahrhundert ja auch dafür ein, dass wir unser kulturelles Erbe – Märchen – lebendig halten.
      Was meine diesjährige Blogparade betrifft, es gibt keine. 🙂 Wie schön, dass du nachfragst (du bist übrigens nicht die einzige, die ein Thema von mir vermisst)! Meine letzte hatte so wenig Teilnehmende, dass ich mir eine Blogparaden-Pause gegönnt habe. Dafür habe ich aber meinen Newsletter seit Frühjahr gestartet. Auf Storytellas weekly kann man sich inspirieren lassen, was das Zeug hält. Aber ich nehme eure Anmerkungen ernst und werde wieder eine Blogparade starten. Vielleicht schon diesen Herbst!
      Liebe Grüße
      Manuela

  3. Liebe Manuela,
    ich habe mir bisher über das Thema Wissen und Nichtwissen keine Gedanken gemacht, danke für deinen Artikel, der mir gezeigt hat – zudem sehr informativ UND unterhaltsam – wie viele Aspekte alleine Du zusammengetragen hast.
    Ich notiere mir diesen Gedankenanstoß für irgendwann später einmal – für einen eigenen Artikel dazu wird mir die Zeit bis 1.9. leider zu knapp.

    Viele Grüße Gabi

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