Manuela Krämer lächelt mit einem kleinen Strauß gelber Wildblumen vor ihrem Wohnwagen: der Kurzurlaub, der sie zurück in den Selbstbestimmt-Modus brachte

Die Kraft des Erzählens: Wie Worte mich selbstbestimmt halten – nach 25 Jahren Selbstständigkeit

(aktualisiert September 2026)
Warum ist mir Storytelling so wichtig – und warum erfüllt mich das Erzählen auch privat so sehr? Und warum bin ich eigentlich immer noch selbstständig? Persönliche Krisen und verlockende Angebote gab es schließlich genug. 

Was reizt mich, was hält mich und was motiviert mich? Spoiler: Es ist nicht das Geld, sondern das hat mit meiner Selbstbestimmung zu tun. Und das Werkzeug, mit dem ich mir meine Selbstbestimmung immer wieder zurückhole, ist das Erzählen: Was ich in Worte fasse, kann ich sehen, und was ich sehe, kann ich ändern. Genau darin liegt für mich die Kraft des Erzählens.

Sandra Hoppenz’ Blogparade „Was bedeutet für mich Selbstbestimmung?“ habe ich als wunderbaren Anlass genommen, über diese Seite von mir und allgemein über die Kraft des Erzählens nachzudenken. – Danke, liebe Sandra, für die Inspiration!

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Was bedeutet Selbstbestimmung für mich?

Wählen zu können, was ich will. Leben, wie es mir guttut und niemals in diesen Mindfuck zu rutschen, der da heißt „Das kann ich sowieso nicht ändern!“, das bedeutet selbstbestimmt leben für mich. 

Bei mir sieht das rückblickend so aus: Seit 2001 bin ich selbstständig, doch mein Angebot hat sich in den Jahren mehrmals verändert. Zuerst konzipierte und textete ich für gedruckte Werbemittel, wie Flyer oder Briefmailings. Dann kam E-Mail-Marketing, Newsletter und Website-Texte hinzu. Ich war die ersten Jahre also Werbetexterin. Dann kamen Buchaufträge und ich schrieb zusätzlich Koch- und Gartenbücher und redigierte Kochbücher von prominenten Autorinnen und Autoren, wie Ruth Moschner oder Christian Henze. Auch Blogartikel für Firmenblogs und Posts für Social-Media-Accounts schrieb ich nun. Insgesamt wurde also die Werbetexterin in mir zur Autorin. Ab 2022 kamen die Aufträge für Landkreischroniken, Stadtmagazine und Wirtschaftsbroschüren, und das mit dem Werbetexten wurde noch weniger. Dann begann ich meine eigenen Geschichten niederzuschreiben, manche zu Wettbewerben einzusenden und andere im Rahmen von Lesungen und Poetry-Slams vorzutragen. Im Ehrenamt begann ich dann noch als Märchenerzählerin und baute so auch meinen mündlichen Erzählskill aus. Für mich macht also das mündliche und schriftliche Erzählen einen großen Teil meiner Selbstbestimmung aus.

Selbstbestimmung ist Arbeit, und die müssen wir aktiv betreiben. Das Thematisieren meines Problems oder Zustands, indem ich es (mir) erzähle – und so buchstäblich vor Augen führe – hilft mir sehr. Das auszuprobieren, kann ich anderen auch nur empfehlen!

Beispiel: Durch die teils sehr brutale Umgangsweise miteinander in der Welt, stellt sich in mir schon mal Hilflosigkeit ein. Das macht mutlos, und ich fühle mich fremdbestimmt. Sobald ich das merke und in Worte fasse („Hallo Mindfuck!“), kann ich aktiv gegensteuern. Dann rutsche ich nicht in einen Fremdbestimmt-Modus hinein. 

Was brauche ich, um selbstbestimmt zu sein?

  • Information, Bauchgefühl, Spiegeln: Um überhaupt selbstbestimmt zu leben und für mich entscheiden zu können, was mir gut und was mir nicht guttut, muss ich gut informiert sein, auf mein Bauchgefühl hören und mir beides selbst vor Augen führen: spiegeln. Ich nutze dazu die Kraft des Erzählens.
  • In Worte fassen: Alle drei Aspekte sind sehr wichtig. Information und Bauchgefühl haben mich schon vor mancher Fehlentscheidung (oder Verzettelung) gerettet, aber nur weil ich dann beides für mich in Worte gefasst habe. Daher finde ich die Recherche und das „Hinter den Vorhang schauen“ unabdingbar für eine gute Entscheidung. Nebenbei bemerkt, empfehle ich das Informieren, Hineinspüren und in eigene Worte fassen auch meinen Kunden für ihre Projekte.
  • Auswählen: Habe ich mich ausreichend informiert, dann kann ich etwas für mich auswählen, das mir guttut. Das verstehe ich als selbstbestimmt wählen. Oder andersherum: Informiere ich mich nicht vorher, kann ich nicht wählen, bin ich nicht selbstbestimmt. 
  • Bei Bedarf ändern: Ich informiere mich nicht nur kurz vor einer Bundestagswahl, sondern immer, wenn für mich eine Entscheidung ansteht:  Berufswahl, gesundheitliche Probleme, persönliche Dinge, Ehrenamt, Ernährungsweise … Ich informiere mich und entscheide mich dann dafür oder dagegen. So kam es schon öfter bei mir vor, dass ich etwas erst total super fand und auch fast mitgemacht oder zugesagt hätte, und dann doch abgesagt habe. Es hätte mir einfach nicht gutgetan und nicht zu mir gepasst!

Wie selbstbestimmt arbeite ich?

Seit über 20 Jahren bin ich im Urlaub wirklich nicht erreichbar. Ich habe eine Routine, zu der auch Pausen gehören: Morgens, mittags und am Abend. Ich arbeite (fast) wie damals in meiner Festanstellung. Das klappt zwar nicht immer, aber selbstbestimmt leben ist halt auch Arbeit! Was immer klappt, sind meine Urlaube: Die plane ich ein, gebe allen Bescheid und bin dann auch wirklich nicht erreichbar. – Das ist fair für mich und fair (weil transparent) für meine Kunden.

Fremdbestimmt arbeiten, passiert in der Selbstständigkeit häufiger als viele denken und passiert mir auch hin und wieder. So heißt es für mich: Wenn ich wirklich selbstbestimmt arbeiten will, muss ich wieder entscheiden (siehe oben), welche Zusammenarbeiten mir nicht guttun und welche Aufträge ich dann ablehne. Das regelmäßige Prüfen und Abwägen ist für mein selbstbestimmtes Arbeiten sehr wichtig!

Wie selbstbestimmt lebe ich?

2025 musste ich zum Beispiel (wieder) mit einer schlechten Nachricht umgehen. Der Arzt hatte einen “Fleck” in meiner Brust entdeckt und wollte, dass wir ihn mit einer Mammographie genauer abklären. Zwei Wochen lagen zwischen Nachricht und Termin. Zwei Wochen Ungewissheit. Und ich? Fühlte mich sofort fremdbestimmt: von der Nachricht, von den Konsequenzen, die das für mich bedeutet … Sofort begann wieder ein Gedankenkreisen in mir nur um das eine Thema. Ich bin irgendwie gleich davon ausgegangen, dass ich wieder Brustkrebs habe.

Die Folge: Sofort brach meine Morgenroutine ein, ich habe nicht in meinen Körper hineingehört, mein Denken wurde negativ … Dieses Mal gelang es mir nicht zu sagen, “Es wird alles wieder okay”, denn meine Erfahrung hat mein Narrativ, “natürlich hast du wieder etwas”, in den vielen Jahren einfach zu stark gemacht. Schwupps, war ich im Fremdbestimmt-Modus.

Das hat mich wieder in den Selbstbestimmt-Modus gebracht: Mein Mann und ich fuhren für vier Tage weg. Nur wir zwei und die Natur. Ein bisschen radeln, lesen, reden und vor dem Wohnwagen sitzen und auf den Fluss gucken. Nach dem Kurzurlaub war ich im Scheißegal-Modus: Mir war egal, was als Ergebnis herauskommt, denn ich war überzeugt: “Wir gehen da gemeinsam durch und ich lebe einfach weiter, wie immer!” Der Satz kam übrigens von meinem Mann. Dann ging ich zur Mammographie und heraus kam … nichts. – Ich konnte es kaum glauben!

Was passiert, wenn ich nicht selbstbestimmt bin?

Dann kann mir jeder etwas erzählen und ich finde es gut! Dann passiert es mir, dass ich auf ein Narrativ hereinfalle, ohne es zu merken. Wir sehen es gerade wieder in der Welt, wie Massen manipuliert werden. So fremdbestimmt ohne eigenen Selbstwert würde ich auch bei jedem Trend oder Hype unreflektiert mitmachen. Und ich würde mich komplett verzetteln. 

Erst wenn ich mich selbst überzeugt habe, dass mir etwas guttut und etwas anderes nicht, wähle ich es oder wähle es nicht. Information, Bauchgefühl und das Thema in Worte fassen (siehe oben), helfen mir also dabei, dass ich selbst bestimme, wo es für mich lang geht.

Beispiel: Nein, ich habe mir keine Actionfigur in Blister-Verpackung von mir von der KI gestalten lassen. Und ja, ich nutze KI, schreibe aber meine Texte und die meiner Kunden nach wie vor selbst, auch wenn noch so viele Experten gerade erzählen, dass KI die Lösung für alles ist. Einmal bin ich sogar angefragt worden, ob ich für einen neuen Chat-Bot Texte verfassen würde. Der Auftrag war gut bezahlt. Ich habe dankend abgelehnt mit der Begründung: Ich schaufle doch nicht mein eigenes Autorinnen-Grab. Selbstbestimmung ist unbezahlbar!

Was ist für mich keine Selbstbestimmung?

Für mich ist Selbstbestimmung ein stetiger Prozess. Bei jedem Hype mitmachen, ohne zu überlegen, was mir das bringt → Fremdbestimmung. Wenn ich es allen recht machen will und mich dabei vergesse → Fremdbestimmung. Passiert mir schnell, da muss ich sehr aufpassen. 

Woran merke ich, dass ich selbstbestimmt lebe?

Es kribbelt! Wenn ich fühle, dass ich auf meinem Weg, in meinem Leben bin, bin ich aufgeregt. Es kribbelt im ganzen Körper und ich habe das Gefühl ich könnte ALLES schaffen. Außerdem nehme ich dann das, was gerade in meiner unmittelbaren Umgebung passiert, besonders intensiv wahr. 

Wenn ich fantastische Geschichten schreibe, kribbelt es. Wenn ich im Workshop die Begeisterung der Teilnehmenden sehe, wenn sie eine Story gefunden oder in Worte gefasst haben, kribbelt es. Seit meiner Entscheidung im Jahr 2024, mit eigenen Texten auf die Bühne zu gehen, kribbelt es in mir jedes Mal, sobald ich mich für einen Auftritt fertig mache und ich weiß – genau hier und jetzt bin ich genau richtig!

Ist selbstbestimmt = egoistisch?

Nein, oder sagen wir mal, nicht zwangsläufig. Wenn Egoismus mit Selbstbestimmung verwechselt wird, dann wird aus dem selbstbestimmten Leben einfach nur „mein Egoding abziehen“, ohne Rücksicht auf andere. Das tut aber selbst nicht gut und ist für mich keine Selbstbestimmung. 

Auch im sozialen Bereich gilt: Wähle ich selbstbestimmt, dann ist es Erfüllung. Wähle ich fremdbestimmt, dann denke ich früher oder später an „Aufopfern“.

Beispiel Ehrenamt: Wer denkt, dass man sich im Ehrenamt für eine gute Sache aufopfert, hat das mit dem sozialen Handeln nicht verstanden. Ich finde es sogar egoistisch, zu sagen, „ich opfere meine Zeit für (…) auf!“ Tut mir ein Ehrenamt nicht mehr gut, beende ich meine Unterstützung.

Was hat die Kraft des Erzählens mit Selbstbestimmung zu tun?

Eine ganze Menge: Erzählen macht sichtbar, was mich gerade fremdbestimmt, und erst dann kann ich gegensteuern. Was unser Erzählen über uns – und über unsere Selbstwahrnehmung – verrät, habe ich übrigens im Blogartikel, Ich erzähle also bin ich!, geschrieben. Denn so wie ich (zum Beispiel in diesem Blogartikel) über mich erzähle, nimmst nicht nur du mich, sondern auch ich mich selbst wahr!

Für mich ist selbstbestimmt zu leben ein Prozess, der niemals endet. Umso wichtiger finde ich es, dass ich merke, wenn ich wieder heimlich fremdbestimmt lebe. Dann mache ich das sofort für mich sichtbar, wie hier im Blogartikel Die Energie von Storytelling: Wie ich eine Geschichte schwächte und eine andere stärkte. Mit Erzählen gelingt Sichtbarmachen sehr gut  – und das ist übrigens eine große Kraft des Erzählens oder Storytelling.

Fazit: Ich habe mich von der Werbetexterin zur Autorin, Trainerin, Märchenerzählerin und Poetin weiterentwickelt. Ich weiß, dass nichts, wirklich nichts ohne Grund geschieht. Indem ich diesen Artikel gerade schreibe, erkenne ich es auch – die Kraft des Erzählens eben! 😉

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Häufige Fragen zur Kraft des Erzählens

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