Ich habe selbst schon viele Seminare besucht, doch eines war immer gleich: Entweder saßen wir in Reihen hintereinander oder in U-Form um den Referenten herum. Wie in der Schule blieben wir dann stundenlang auf dem Stuhl sitzen. Abgesehen von Pausen oder Toilettengängen von Bewegung keine Spur! Die Lernergebnisse waren okay und ich habe wirklich sehr viel mitgenommen, vor allem durch Übungen, Gruppenarbeiten und dem Netzwerken. Trotzdem gab es in jedem Seminar immer diesen einen Moment, in dem ich nur noch körperlich anwesend war, weil ich mich einfach nicht mehr konzentrieren konnte.
Kam das vom vielen Input? Den vielen Menschen? Schlechte Luft …? (Ich glaube ja, ich bin das, was man heute als neurodivergent bezeichnet: viele Reize kosten mich mehr Kraft als andere Menschen.)
Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, woran es wirklich lag.
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Das Wichtigste in Kürze:
- Bewegung im Workshop ist kein nettes Extra, sondern verbessert nachweislich Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Erinnerungsvermögen – das zeigt sich in der Ergotherapie genauso wie in meinen Storytelling-Trainings.
- Klassisches, stundenlanges Sitzen in Seminaren führt oft dazu, dass Teilnehmende erschöpft sind und nur einen Teil der Inhalte behalten.
- In meiner Methode Flex-to-Tell ist Bewegung fester Bestandteil des Trainings, nicht nur Auflockerung zwischendurch.
- Ein Testlauf in Stuttgart zeigt: Storys entstehen oft erst durch Bewegung und einen Perspektivwechsel, nicht am Konferenztisch.
- Fazit: Wer sich bewegt, findet leichter eigene Geschichten und behält mehr vom Gelernten.
Der Umweg über die Ergotherapie
Die Antwort kam nicht aus einem Fachbuch übers Lernen, sondern aus der Grundschule meines Sohnes. Er bekam die Diagnose ADS, ohne das H, also ohne Hyperaktivität, im Volksmund zumindest hier in Schwaben auch bekannt als “Träumerle-Syndrom”. Verschrieben wurde ihm Ergotherapie. Ein fester Bestandteil davon war, sich auf verschiedene Weise zu bewegen und dabei Aufgaben zu lösen. Spannend!
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Er konnte sich plötzlich besser konzentrieren, reagierte schneller, merkte sich Dinge besser. Bewegung, verordnet wie Medizin, für eine bessere Hand-Auge-Koordination, gesteuert vom Hirn (Visuomotorik).
Als ich letztes Jahr über mein Trainingskonzept nachdachte, kamen mir wieder die Ergotherapie-Stunden in den Sinn. Unser Sohn erzählte immer so begeistert vom Schaukeln in der Hängematte, während er lustige Rätsel im Kopf löste und vom Herumflitzen im Raum, während er drei Dinge nacheinander an drei Stationen tätigen sollte.
Die Ergotherapie-Stunden machten sich übrigens nicht nur in den schulischen Leistungen bemerkbar, sondern brachten sein künstlerisches Talent zum Vorschein. Dabei hatte er zuerst nicht gerne gemalt. Wer hätte gedacht, dass er später einmal sein Abi mit Fachrichtung Gestaltung macht und gelegentlich Bilder ausstellt? Was für eine Entwicklung!
Und dann fiel mir etwas auf. Meine Seminar-Erfahrung und die Verordnung meines Sohnes trafen sich in einem Punkt: In Workshops haben zwar nicht alle Aufmerksamkeitsdefizite, trotzdem behalten Teilnehmende oft nur die Hälfte des vermittelten Wissens. Entweder haben sie (und ich) den Rest nach dem Seminar einfach vergessen oder aber gar nicht erst gespeichert. Das ist nicht “schlimm”, weil man ja meistens genug für sich mitnimmt, aber nicht optimal. Muss das in Workshops immer so sein? Ich finde nein! Ich möchte, dass meine Teilnehmenden NICHT erschlagen von den vielen Inhalten aus dem Workshop gehen, à la “geschafft aber glücklich”. Ich will mehr: Ich möchte, dass sie voll motiviert gleich weitermache
Was ist Visuomotorik?
Visuomotorik ist die Fähigkeit des Gehirns, Bewegungen anhand visueller Wahrnehmung zu steuern und zu koordinieren. Fast jede Bewegung des menschlichen Körpers wird über unser Gehirn koordiniert. Mit Hilfe des visuellen Systems erzeugt es ein Modell der Umwelt, das die zielgerichtete Interaktion mit der physischen Wirklichkeit ermöglicht. Visuomotorische Leistungen werden in der Kindheit entwickelt und ausgebaut. Visuomotorische Störungen führen meist zu Lernstörungen. Sie werden in der Regel kurz nach dem Schuleintritt festgestellt. Wenn man bedenkt, dass Kinder die meiste Zeit im Stillsitzen (!) ausgebildet werden, finde ich es im Nachhinein seltsam, dass so wenige Kinder eine Störung entwickeln. Gerade heute bewegen sich ja Kinder immer weniger und sitzen mehr vor Bildschirmen und Smartphones in geschlossenen Räumen … Gleichzeitig wird die drastisch abnehmende Aufmerksamkeitsspanne bemängelt. Misst man angesichts dieser Entwicklung noch zu wenig der Bewegung beim Lernen bei?
Mehr zum Thema liest du in diesem Beitrag von Dr. Henning Rosenkötter.
Das alles waren meine Gedanken, während ich über Storytelling-Trainings nachdachte. Was einem Kind mit ADS ärztlich verordnet wird, könnten doch auch erwachsene Seminar-Teilnehmende brauchen. Ob das mit der Bewegung auch in Workshops für Erwachsene funktioniert? Außerdem liebe ich selbst ungewöhnliche Lernformate, die anders ablaufen als die übliche (sitzende) Lernsituation. Aber wie kommt das an, wenn wir durch den Raum laufen …
Erster Testlauf: Stuttgart 2024
Und dann habe ich mein Training-Konzept einfach auf einem BarCamp ausprobiert. Eine kurze Einführung am Flipchart draußen im Flur statt im Besprechungsraum, dann eine Aufgabe mit Bewegung, gefolgt von einer ruhigen (!) Ausarbeitungsphase und zum Schluss viel Zeit für Präsentation mit Feedback in der Gruppe (im Stehen, Sitzen oder Liegen). Also mal keine Auflockerungsspielchen zwischendurch, kein Theorieteil vorneweg, sondern Bewegung als festen Bestandteil der Methode. Heute nenne ich das “Flex-to-Tell”, meine Trainingsmethode, bei der Bewegung ein fester Bestandteil des Storytelling-Trainings ist und nicht nur zur Auflockerung dient.
Ergebnisse aus meinem ersten Workshop:
Den erste Testlauf machte ich auf einem Marketing-BarCamp in Stuttgart. In meiner 45-Minuten-Session ließ ich die Teilnehmenden durch die Räumlichkeiten wandern. Sie sollten sich auf die Suche nach Story-Motiven zu ihrem Thema machen. Ob sie hier, im eingeschränkten Raum, nicht im eigenen Unternehmen, auch eigene, coole Storys finden? Sie konnten!

Eine Teilnehmerin blieb plötzlich vor einem der großen Fensterwände stehen, schaute auf die Stuttgarter Fußgängerzone und beobachtete die Menschen, die vorbei zogen. Und dann hatte sie’s:
„Ich sehe diese vielen Menschen als Teil eines großen energetischen Miteinanders, aber andere sehen “nur” eine Menschenmenge, die scheinbar gleich reagiert: von links nach rechts laufen. Doch jeder hat einen von fünf unterschiedlichen Energietypen und funktioniert, entscheidet, reagiert und beeinflusst sein Umfeld anders. Wir “hinter den Fenstern”, das heißt von außen, sehen das aber nicht. Weder an Anderen, noch an uns selbst.“
Sandra Hoppenz, Expertin für ein selbstbestimmtes und cooles Leben nach deinem Human Design.
Oha! Da erklärte sie eben mal Human-Design mit einem glasklaren Bild! Am Seminartisch hätte sie diese Situation nicht gesehen und damit wäre ihr die Idee vermutlich nicht gekommen. In Bewegung und mit geschärftem Blick schon.
Eine andere Teilnehmerin ließ sich von der Kaffeemaschine inspirieren. Du denkst jetzt sicher: Kaffeemaschinen-Storys? Gähn! Die gibt es doch im Business Storytelling wie Sand am Meer. Ähnlich wie die Storys vom Agentur-Hund … Das stimmt, aber diese hier wurde ganz anders:
Die Teilnehmerin sah sich im spiegelnden Edelstahl der Siebträgermaschine in der Pausenecke. Sie steht in den Design-Offices in Stuttgart, falls du dich auch mal spiegeln willst. 😉 Im polierten Edelstahl beobachtete sie ihr eigenes Gesicht. Weichgezeichnet, etwas verzerrt, an den Rändern in die Breite gezogen. Sie betrachtete sich mal von oben, mal von der Seite, je nachdem, wie nah sie hinging und wie sie den Kopf drehte. Dann kam ihre Idee:
“Das ist ja ehrlich und unehrlich zugleich! Genauso, wie dieses gebogene Metall mich in jedem Winkel anders zeigt, sehen mich auch meine Kund:innen nie ganz, wie ich wirklich bin, sondern immer nur den Ausschnitt, der gerade auf mich trifft. Der eine kennt mich aus dem Erstgespräch, die andere nur aus einem einzigen LinkedIn-Post, der Dritte aus einer hitzigen Diskussion auf einer Konferenz. Alle haben recht, und trotzdem sieht keiner das ganze Bild.” Ganz klar, dass sie als PR-Beraterin diese coole Story gut gebrauchen konnte, um mit ihren Kunden – mittlere und große Unternehmen – das mit der Selbst- und Außenwahrnehmung zu zeigen, und warum sie eine gute PR-Strategie brauchen.„
(Martina H.)

Und genau da liegt die Story: „Bei uns gibt’s nichts zu erzählen“ – doch!
Die drei Einwände, die ich am häufigsten höre, kurz vor der Anmeldung – mein ultimatives Ranking:
- Bei uns gibt’s nichts (mehr) zu erzählen.
- Das ist doch wieder so ein Hype. Da mache ich nicht mit!
- Storytelling? Das sind doch Lügenmärchen.
Alle drei Aussagen stimmen nicht, und schon die Teilnehmerinnen aus meinem ersten Workshop sind der Beweis: Ihre Storys waren die ganze Zeit da; sie mussten nur erst durch den Raum laufen, um sie zu finden. Nichts erfunden, nichts schöngefärbt, und auch keinen Hype nachgelaufen (nur der Nase nach)! Wir haben nur sichtbar gemacht, was vorher unter der Oberfläche lag. Und natürlich später noch geschärft und in einen guten Text gegossen.

Ergebnisse aus meinem Adventskalender:
Mein zweiter “Workshop” wurde übrigens ein Adventskalender, man könnte auch sagen, ein bewegender Adventskalender. Er hieß “Ihr Storylines kommet!” und die Teilnehmenden konnten jeden Tag ein Türchen öffnen. Dahinter verbarg sich eine kleine Aufgabe à la, • geh in den Keller • oder 80 Jahre in die Zukunft • oder schaue in die oberste Schublade deines Schreibtisches (…). Es ging darum, eigene Story-Fundstück an ungewöhnlichen Orten im Alltag zu finden. Ungefähr 60 Menschen machten im Advent 2024 mit und fanden unfassbar gute Storys.

“Nikolauszeit letztes Jahr – und was für ein Abend mir da wieder eingefallen ist! Spontan habe ich damals ein ‘Atmen mit allen Sinnen’ angekündigt, und es kamen ein paar großartige Frauen zusammen. Wir hatten alles, was das Herz (und die Sinne!) begehrt: Bewegung, Tanz, Atmen, Essen, Wein, Lachen, und so viele gute Gespräche. Es war ein Abend voller Leichtigkeit, Freude und Verbundenheit – ein echtes Highlight, an das ich so gerne zurückdenke. (…) Manchmal sind es genau diese spontanen Momente, die sich als magisch herausstellen.”
Karin Meinzer, Atemtherapeutin und Psychotherapeutische Heilpraktikerin über Türchen 6 „Zeitreise“ 🚀 – Was war heute vor einem Jahr bei dir?
Was das für deine Weiterbildung heißt:
Wenn du dich in der U-Form-Bestuhlung wiedererkennst, wenn du aus Seminaren gehst und dich fragst, was von den acht Stunden eigentlich hängen geblieben ist, selbst wenn die Referenten super und die Inhalte inspirierend waren: Es liegt nicht an dir. Es liegt an der Methode.
In meinen Storytelling Seminaren und Workshops setze ich genau da an. Wir sitzen nicht stundenlang und hören zu, wir gehen, wir testen, wir denken, wir schaffen … und kreieren dabei lauter kleine Geschichten (Micro-Storys). Am Ende hast du nicht nur zugehört, sondern deine eigene Art zu Erzählen kennengelernt, eine Erzählstruktur entwickelt und erste Geschichten in der Tasche. Du hast sie alle selbst erlebt und – je nach Format – gleich schon an Ort und Stelle ausgearbeitet, statt nur erklärt bekommen. Je nach Umfang des Trainings hast du sogar eine Storytelling-Strategie für das nächste Halbjahr entwickelt. Mehr über meine Methode „Flex-to-Tell“ hier.
Schau dir meine Seminare und Workshops an – und finde heraus, welches Format zu dir und deinem Team am besten passt:
- Neue Orte, an denen du (d)eine Story findest
- Neue Brillen für dein Storytelling
- oder vielleicht ein branchenspezifisches Storytelling-Thema
Überlege, welches Format momentan besser für dich und dein Team passt oder du lieber ein mehrtägiges Seminar möchtest, in dem wir ganz intensiv arbeiten. Alles kann, nichts muss. Ich passe meine Formate sowieso immer noch mit dir zusammen an!
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