Roter Faden im Business - siehst du ihn schon?

Roter Faden im Business? Ich dachte, man sieht ihn doch längst!

Ein Satz, der mir bis heute nachhängt, wenn es um meinen eigenen roten Faden geht: „Manuela, du könntest doch auch mal Trainings anbieten, du kannst doch so gut erklären.“ Gesagt hat das eine Leserin, die meine Website vermutlich schon zehnmal besucht hatte. Dabei bot ich zu dem Zeitpunkt längst Seminare und Workshops an. Reden hielt ich auch schon eine ganze Weile. Nur klang meine eigene Website unterschwellig immer noch nach „schreibt Texte“.

Ich dachte, man sieht doch längst, wohin ich mich entwickelt habe. Hat man aber nicht. Peinlich!

Oh, dachte ich. Wenn mir das mit meinem eigenen roten Faden passiert, obwohl ich beruflich nichts anderes mache, als anderen bei genau diesem Thema zu helfen, wie oft passiert das dann bei dir?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der rote Faden im Business ist die inhaltliche und optische Linie, die sich über alle deine Kontaktpunkte spannt. Stell dir vor, wie sich ein wiedererkennbarer Faden von der Website übers Verkaufsgespräch bis zum Newsletter zieht – und nicht nur durch eine einzelne Geschichte.
  • Gleiche Farben und Schriften schaffen zwar das Gefühl „das gehört zusammen“, aber erst eine inhaltliche Konsistenz (gleiche Tonalität, Sprache, Haltung…) zeigt Interessenten, dass sie bei dir genau richtig sind.
  • Mit meinem 5-Touchpoints-Check findest du in einer kurzen Bestandsaufnahme heraus, wo dein roter Faden schon trägt und wo noch nicht.
  • Der rote Faden kann auch kippen: zu konsequent durchgezogen wird es langweilig, zu viele Themen auf einem einzigen Touchpoint machen ihn zum unübersichtlichen Wollknäuel.
  • Deine Touchpoints müssen (und sollten) nicht alle gleiche Inhalte enthalten. Sie dürfen wie kleine Bausteine wirken, mit denen das große Ganze erkannt wird. Sie sind wie Bausteine in einem Mosaik oder Teile, die ein Puzzle ergeben.

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Der rote Faden im Business ist die Linie, die sich erkennbar durch alle deine Kontaktpunkte zieht, digital, analog und persönlich. In meinem Artikel über den roten Faden im Storytelling schreibe ich ja über den roten Faden innerhalb eines einzelnen Textes – Blogartikel, Firmenbroschüre, Roman … Dort liest du auch woher der Begriff „roter Faden“ eigentlich kommt und wozu er in Texten gut ist.

Dieser Artikel hier spannt die Sache mit dem roten Faden weiter, denn er hört ja nicht am Ende deines Blogartikels auf. Idealerweise zieht er sich bei dir durch deine Website, deine Social-Media-Accounts, Angebote, Elevator Pitch, Newsletter … Und, was gerne vergessen wird: durch deine Verkaufsgespräche, Messestand, Ladengeschäft usw. Eben überall dort, wo jemand mit dir und deinem Business in Kontakt kommt.

Farben schaffen Zusammengehörigkeit. Reden tun sie trotzdem nicht.

Wenn Leute „roter Faden“ und „Konsistenz im Marketing“ hören, denken die meisten zuerst ans Corporate Design: gleiche Farben, gleiche Schrift, gleiches Logo, überall. Und ja, das stimmt tatsächlich zum Teil. Optisch Stimmiges erkennen wir zuerst. Das löst beim Betrachter zwei Gefühle aus: „Das gehört zusammen“ und „Das wirkt professionell.“

Aber spätestens danach muss schon eine Konsistenz im Inhalt folgen, damit dein Interessent auch weiß, dass er hier genau richtig ist.

Klee im Grünen Mäntelchen

Grüntöne wirken frisch, freundlich und natürlich. Klingt gut, aber was genau meint ein Unternehmen eigentlich damit? Bietet hier ein Lebensmittelhändler frische Ware aus der Region an? Handelt es sich um ein Hotel mit ökologischer Ausrichtung? Oder lese ich hier über einen Coach, der mir Vertrauen vermitteln will? – Ohne Inhalt bleibt Grün einfach nur Grün.

Genau das, nur mit „Blau“, habe ich bei einem Kunden ganz konkret erlebt: Für zwei Programmierer aus dem Engineering habe ich vor einiger Zeit eine Landingpage entwickelt und geschrieben. Der Auftritt kam vorher sehr technisch-kühl herüber. Zu kühl in diesem Fall, denn ihr Angebot war nicht nur besonders anwenderfreundlich, sondern das Programmierer-Duo im persönlichen Kontakt richtig warmherzig und persönlich. Da passten Optik und Inhalt einfach nicht zusammen und das wussten sie auch. Gemeinsam haben wir dann die Anwendungsstory als Comic erzählt. Einen Comiczeichner und eine Agentur zum Umsetzen habe ich ihnen auch vermittelt. Das Ergebnis kannst du dir auf der Landingpage von ICTIER anschauen: Da passt jetzt beides zusammen, das Aussehen und das, was tatsächlich drinsteckt. Und die Farbe Blau, die bleiben sollte, wirkt nun als Kontrast zum spielerischen Inhalt ausgleichend, aber nicht mehr kühl und unnahbar.

Screenshot der ICTIER-Landingpage mit Comic-Illustration zur Anwendungsstory und Sprechblasen  – Software für Engineers als Comic verkauft.

Wie finde ich meinen roten Faden im Business? Der 5-Touchpoints-Check

Fünf Touchpoints reichen für die erste ehrliche Bestandsaufnahme deines roten Fadens. Mit einer kurzen Bestandsaufnahme dieser wichtigsten Kontaktpunkte siehst du schnell, ob dein roter Faden im Business schon da ist und ob er passt. Bevor du auch nur eine Zeile für Website, Social Media oder Pitch neu schreibst, lohnt sich dieser Blick sehr. Ich mache das auch bei mir und bei meinen Kunden!

Vergleiche die Inhalte deiner fünf wichtigsten Touchpoints

Sammle dazu grob die Inhalte deiner wichtigsten fünf Kontaktpunkte, mache Screenshots und lege sie nebeneinander. Das könnten zum Beispiel sein:

  • die Begrüßungsseite deiner Website
  • Landingpage
  • ein Blogartikel
  • dein Instagram-Profil samt der ersten sechs Kacheln
  • dein LinkedIn-Auftritt
  • ein Werbeflyer
  • deine E-Mail-Signatur
  • oder was sonst bei dir wichtig ist

Lege deinen Claim dazu.

Leg deinen Claim mit der Dreier-Kombo als Untertitel dazu. Und falls du dich jetzt fragst, ob du überhaupt einen hast: genau das ist schon die erste Erkenntnis: Du brauchst einen Claim!

Schau dir alles auf einen Blick an.

Meistens siehst du sofort, wo es hakt, oder ob es schon (Teile von) einem roten Faden gibt. Dann prüfst du: Geht dieser Teil-Faden schon in die richtige Richtung, oder solltest du ihn grundsätzlich überdenken?

(optional) Gestalte dir ein Mood-Board

Du kannst diesen „5-Touchpoints-Check“ auch visuell erstellen. Mir fällt es zum Beispiel leichter, wenn ich alles zusammen sehe. Lege dazu ein Mood-Board an mit den einzelnen Teilen sowie eventuell noch ein paar Wunschteilen (Bilder, Grafiken, Lieblingswörter, Textteile) und hänge es gut sichtbar in deinem Arbeitszimmer auf. Lass dieses Moodboard ein paar Tage auf dich wirken, schon weißt du, ob dein Auftritt stimmig ist und zu dir und deinem Angebot passt.

Für diese Bestandsaufnahme brauchst du nicht unbedingt einen Workshop oder eine KI. Fünf Ausschnitte deines Auftritts und ein ehrlicher Blick von dir bringen oft gute erste Ergebnisse.

Wann wird der rote Faden zum Wollknäuel?

Auch auf Business-Ebene kann der rote Faden kippen, und zwar in zwei sehr unterschiedliche Richtungen.

Zu viel roter Faden:

Er wird zu konsequent durchgezogen, und plötzlich wird es langweilig. Zu viele Wiederholungen, das Gleiche einfach in anderen Worten, zu wenig Facetten, optisch alles zu clean. Du kennst das von Instagram-Profilen, deren Kacheln sich schachbrettartig aneinanderreihen und bei denen nichts mehr heraussticht. Hübsch, aber irgendwann eben auch: schläfrig. Bei solchen Mosaik-Kacheln verliere ich persönlich die Lust am Lesen, was dahinter steckt.
Zu wenig Abwechslung und zu viel stylische Optik schläfern den Blick der Interessenten ein. Gerade im Zeitalter von Doom-Scrolling und Infoflut werden so wichtige Vorteile nicht mehr wahrgenommen.

Zu wenig roter Faden:

Du nutzt zu wenige Touchpoints, weil du denkst, alles müsse überall stehen. Und dann packst du auf einer Seite zum Beispiel tausend Sachen hinein. Das Ergebnis ist dann kein roter Faden mehr, sondern ein verknotetes, verwirrtes Wollknäuel, durch das sich niemand mehr durchlesen will. Zu viele verschiedene Themen auf einer Seite stiften aber eher Verwirrung und machen das Lesen schwer – und schnell hört man damit auf. Das sehe ich besonders oft auf Webseiten und in Firmenbroschüren.

Die Lösung für beides: Deine Touchpoints müssen nicht identisch sein. Dein Instagram-Auftritt muss nicht dieselben Inhalte zeigen wie deine Homepage, dein LinkedIn-Profil nicht das Gleiche wiederholen wie deine Über-mich-Seite. Hier darfst du variieren und kannst trotzdem einen roten Faden in Wording und Design durchziehen.

Bausteine statt Wiederholungsschleife

Vielleicht denkst du, wie viele, dass du an jedem einzelnen Touchpoint unbedingt alles über dich und dein Angebot zeigen musst? Musst du nicht, im Gegenteil. Überlege mal, wie viele Stellen es überhaupt gibt, wo du mit deinem Angebot sichtbar wirst: digital, analog, im Verkaufsgespräch, auf der Messe, bei einer privaten Veranstaltung, im eigenen Ladengeschäft …

Da hilft wieder mein bewährter Trick mit dem Brillenwechsel: Betrachte deine Touchpoints als Bausteine, nicht als Wiederholungsschleife. Kleine Infohappen, die sich dein Kunde selbst zusammensucht. Und in dieser Wiederholung, Stein für Stein, fügt sich bei ihm nach und nach ein Gesamtbild von dir und deinem Unternehmen zusammen. Genau das entscheidet mit darüber, ob daraus Kundenbindung wird, oder eben nicht.

Ein Baustein auf der Messe, ein anderer im Verkaufsgespräch, wieder ein anderer im Newsletter. Verschieden im Detail, aber erkennbar aus einem Guss wird daraus ein Ganzes, wie bei einem Mosaik. Genau das ist dein roter Faden, der sich durch dein gesamtes Business zieht. Nicht an jeder Stelle exakt dasselbe zu sagen, sondern an jeder Stelle erkennbar du zu bleiben. Und mit diesem konsequent durchgezogenen Faden hast du auch gleich etwas eigenes geschaffen, was dich von deiner Konkurrenz deutlich abhebt.

Willst du deinen eigenen roten Faden finden?

Und zwar, bevor du das nächste Mal Website, Pitch oder Social-Media-Auftritt überarbeitest? Das mit dem Moodboard und so findest du cool, kommst aber alleine nicht wirklich weiter? Kein Ding: In meinen Business-Storytelling-Trainings nehmen wir uns genau diese Bestandsaufnahme gemeinsam vor. In der Gruppe können wir uns auch prima über unsere Ergebnisse austauschen und von anderen lernen.

Mein Workshop-Angebot für dich

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